TAZ: Idylle mit Konzentrationslager, von Richard Rabensaat
Idylle mit Konzentrationslager
Stätten der NS-Tötungsmaschinierie oder banale Tourismusorte? Ausstellungen in der 2yK und bei Sensor K dokumentieren den Stand der deutschen Erinnerungskultur
“Conservation Camp 01_Auschwitz” ist der Titel der Ausstellung von Sarah Schönfeld und Sascha Schmalenberg in der Fabrik am Flutgraben.Tatsächlich zeigen die dokumentarischen Fotos und Filmaufnahmen von Schmalenberg die ehemalige Folterstätte als Ausflugsziel shortsbewehrter Sonntagsausflügler und T-Shirt bekleideter Teens. Selbst wenn die unabweisliche Vergangenheit noch so grauenvoll war heute findet die Kamerades Dokumentaristen mehr als die Vergangenheit des Nationalsozialismus, die Banalität der Erinnerungsmaschinerie. “Auschwitz-Birkenau-Sightseing of Krakow” steht in fetter Serifen-Type auf dem bemalten Reisebus.Neben dem Wachturm und Stacheldraht des lagers nimt sich die pragmatische Ankündigung der Reisetour wie eine frohgemute Einladung zu ein bißchen Horrorshow aus, der authentische Grusel – im bequemen Polstersessel an den Fensterscheiben vorbeigleitend.
Das Bild und auch der Bus seien keine Artefakte sondern völlig authentisch, genau in dieser Weise werbe das Unternehmen für seine Fahrten, beteuern die Künstler. Das Foto ist nicht das einzige absurd anmutende Bild in der herausragend konzipierten und präsentierten Ausstellung der beiden jungen Nachwuchskünstler, die das Ergebnis einer mehrjährigen Recherche ist. Zu sehen ist auch das prototypische, moderne Einfamilienhaus mit hübschem Garten. Die vom quietschgrünen, streichholzkurzen rasen eingerahmte Idylle erfährt allerdings einen hässlichen Bruch durch den am rechten Bildrand auftauchenden Klotz des pechschwarzen lagers.
Das Wissen um die Grauen der Tötungsmaschinerie in ihrer Monstrosität zeigen wollte Sarah Schönfeld mit der “Performance 1″ am 1.3.2001. Vor dem Krematorium entkleidete sich die Künstlerin und zeigte ihren unversehrten Körper in gleicher Pose wie ehemals die Gefangenen. Der Anmaßung ist sie sich bewußt -die Performance sei “eine Metapher für den Menschen, der keinen Bezug mehr zu dieser Zeit hat und sich der Symbole und Ereignisse wie in einem Selbstbedienungsladen bedient”, kommentiert Schönfeld.
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Richard Rabensaat