Die Welt: Dinos im Plänterwald, von Andrea Hilgenstock

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Dinos im Plänterwald

Noch keine drei Jahre mischen sie mit aber schon sehr erfolgreich. Es geschafft zu haben, dass einige ihrer Künstler nicht mehr jobben müssen, sondern von ihren Verkäufen leben können, erfüllt Stefanie Feldbusch und Andreas Wiesner mit Freude und Stolz. Ihre Hot Spots, Objektkünstler Thorsten Brinkmann, Fotografin Sarah Schoenfeld und der junge Maler Lars Teichmann, sind auf dem Markt sehr gefragt.

Dabei wandeln die “Kunstagenten” (so der Name der Galerie) auf ungewohntem Parkett, stiegen sie doch ohne vorteilhafte Netzwerke ein. “Wir sehen das als Herausforderung, gute Arbeit zu leisten”, meinen sie schmunzelnd. Während Wiesner aus der Werbung kommt, kann seine Partnerin als Diplom-Kauffrau mit Zahlen umgehen.

Die Seiteneinsteiger haben freilich schon länger ein Auge auf die Szene. Stefanie Feldbusch, 1966 in Rheine geboren, arbeitete nach dem BWL-Studium für ein großes Dienstleistungsunternehmen und tätigte Kunstankäufe. Ihr drei Jahre älterer Kompagnon gründete während des Studiums eine Werbeagentur und verfolgte gern Projekte für Firmen, in die er Künstler einbinden konnte.

Wertvolle Erfahrungen, die er heute nicht missen möchte. “Wir sind gereift. Ich bin froh, dass wir früher etwas anderes gemacht haben”, meint der Kommunikationswirt, der in Wuppertal und Düsseldorf aktiv war. Bei beiden wuchs der Wunsch, sich zu verändern und sich ganz der Kunst zu widmen. Im Dezember 2004 war es so weit. Sie eröffneten ihr Quartier in Mitte.

Unlängst sind sie in die Linienstraße umgezogen und gaben dort mit einer Schau ihres Stammkünstlers, des Hamburger Fundstücke-Jongleurs Brinkmann, ihren Einstand. Der 37-Jährige, der in diesem Frühjahr für den Schering-Preis nominiert war und seine Arbeiten in der Berlinischen Galerie ausstellte, zeigt sich selbst entfremdet in witzigen Fotos und baut surreale Objekte.

An das Gemeentemuseum in Den Haag konnten die Kunstagenten eine große Installation von Brinkmann vermitteln. Bei ihren Messeteilnahmen in Berlin (Kunstsalon, Preview) und Bologna liefen die originellen Stücke bestens. Auf der ViennAFair fanden daneben die Gemälde von Teichmann Gefallen, ihrem jüngsten Gipfelstürmer.

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Dem 27-jährige Newcomer, der an der UdK bei Wolfgang Petrick, Daniel Richter und Valerie Favre studiert hat, richten sie im August bereits die zweite Soloschau aus, diesmal mit Katalog. Die dynamischen, semi-abstrakten Menschen-Bilder seiner ersten Ausstellung im vergangenen Jahr waren ruckzuck weg. Nun fragen die Sammler nach, wollen mehr sehen.

“Er entwickelt sich weiter”, ist Wiesner überzeugt, der Teichmann 2003 bei einem UdK-Rundgang entdeckte. Auch Stefanie Feldbusch war dabei, jeder schaute für sich und anschließend wollte der Kollege wissen: “Was fiel Dir auf?” Sie sagte: “Das Bild mit dem Schlauchboot”, und er erwiderte: “Das hab ich gekauft!” Den Preis hat Wiesner noch hochgesetzt. Das Werk sei mehr wert.

So kam es, dass er zum ersten Käufer wurde und – wie so oft – einer Meinung war mit Stefanie Feldbusch. Oberstes Kriterium bei der Auswahl für ihr junges, vielseitiges Programm ist beiden, Künstler zu finden, “die auch was zu sagen haben.” Es solle eine längerfristige Beziehung entstehen, ergänzt die weibliche Stimme im Duo. “Trends oder gar Plagiate interessieren uns nicht.”

Ihre jüngste Entdeckung ist der Münchner Christoph Brech, der in der Akademie der Künste sein Video “Opus 12″ anlässlich der Verleihung des Will-Grohmann-Preises zeigte. Gepackt von der Kraft seiner malerischen, abstrakten Arbeit, die den Frack eines Dirigenten als dunkle Wellenbewegung erfasste, umwarben sie den Neuankömmling. Für den Herbst nun bereitet er seine erste Video-Schau bei den Kunstagenten vor.

Ihrer Verantwortung, die sie für andere übernehmen, sind sie sich bewusst. “Deshalb sind wir auch froh, dass wir auf Praxis-Erfahrung aufbauen”, meint Wiesner: “Wir wollen gemeinsam mit unseren Künstlern vorankommen.” Mit Sarah Schoenfeld scheint das schon gelungen. Ein erster großer Schritt war die Ausstellung “Wende-Gelände” der 28-jährigen Berlinerin, die die morbiden Orte ihrer Kindheit ins Bild setzte.

Berlins häufig so melancholischer Charme mit seltsamen Dinos im Plänterwald, leeren Hallen und blätterndem Putz stieß auf reges Interesse. 13 ihrer großformatigen Fotos wechselten in verschiedene Sammlungen. Zwei davon erwarb die Hamburger Kunsthalle, wo sie demnächst gezeigt werden.

Die Preise für die C-Prints reichen von 3900 bis 4500 Euro, Gemälde von Teichmann kosten 3000 bis 6000 Euro, Brinkmanns Werke 1000 bis 45 000 Euro.

Linienstr. 155; bis 28. Juli sind fünf Niederländer zu Gast. Vom 18. August an zeigt man Malerei von Lars Teichmann. Di-Sa 12-19 Uhr.